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Poker School

Wenn Sie beim Pokern erfolgreich sein möchten, müssen Sie langfristig denken. In diesem Kapitel erklären wir Ihnen, warum:

Glück vs. Können

Poker ist nahezu einzigartig in seiner Mischung aus Glück und Können. Wenn Sie Heads-up gegen jeden x-beliebigen Spieler der Welt spielten und all-in gingen, ohne sich auch nur einmal Ihre Karten angesehen zu haben, hätten Sie eine beinahe 40%ige Gewinnchance.

Klingt doch ganz gut! Bis Sie erkennen, dass Sie in 60% aller Fälle verlieren würden, wenn Sie diese Taktik beibehielten. Deshalb: Selbst wenn man Ihre Gewinne miteinbezöge, würden Sie auf lange Sicht ziemlich sicher in den roten Zahlen enden.

Ist also das Können ausschlaggebend? Na ja, nicht ganz. Sie könnten der beste Spieler der Welt mit einem Blatt mit einer 80%igen Gewinnchance sein und dennoch wäre Ihr Sieg nicht garantiert.

Der Grund dafür liegt in einem Faktor namens Varianz, einem Konzept, das jeder Pokerspieler verstehen muss, der vorankommen möchte.

Wozu Varianz benötigt wird

Wie der eine Fisch, der dem Angler entwischt, wurde auch Varianz zu so etwas wie einem Insider-Joke unter Pokerspielern – einer Ausrede, wenn etwas schiefgegangen ist. Varianz basiert aber auf einer fundierten mathematischen Theorie, nämlich der Vorstellung, dass in der realen Welt Dinge nur auf allgemeine Weise vorhersagbar sind. Einzelne Vorkommnisse dagegen weichen davon ab.

Nehmen wir als Beispiel einen sechsseitigen Würfel. Wenn Sie eine 2 würfeln möchten, stehen Ihre Chancen 1 : 6. Wenn Sie denselben Würfel aber sechs Mal werfen, kann es vorkommen, dass Sie dennoch keine 2 würfeln. Oder Sie erhalten dreimal die 2. Sie könnten sogar sechsmal hintereinander die 2 würfeln (weniger wahrscheinlich, es könnte aber passieren). Und genau das ist Varianz.

Umgelegt auf das Pokerspiel bedeutet das: Obwohl Sie erwarten würden, dass ein 80%iges Favoritenblatt in einem von fünf Fällen verliert, könnte es tatsächlich zweimal, dreimal oder gar fünfmal verlieren. Sollten Sie auf dieses Blatt setzen? Natürlich! Denn wenn Sie bei dieser Wahrscheinlichkeit oft genug spielen, schreiben Sie ein Plus. Wenn auch vielleicht nicht heute.

Varianz falsch verstanden

Wenn Ihnen die Statistik übel mitspielt, könnte es passieren, dass Sie Spiel für Spiel Geld verlieren, selbst wenn Sie passable Blätter erhalten und hervorragend spielen.

Manche Spieler verkraften das nicht. Sie verlieren das Vertrauen in ihre Taktik, beginnen wild draufloszuspielen und ehe man sich’s versieht, ist nicht Varianz das Problem, sondern sie selbst.

Also, was sollten Sie in so einer Situation tun? Was die besten Pokerspieler tun – nämlich strategisch spielen, geduldig sein und abwarten. Denn: Egal was heute, morgen, nächste Woche oder sogar nächstes Jahr geschieht, die Zahlen werden letztlich recht behalten.

So setzen Sie Varianz richtig ein

Jetzt, da Sie über Varianz Bescheid wissen, können Sie ein paar grundlegende Handgriffe in Ihre Strategie einbauen:

  • Bankroll Management. Stellen Sie sicher, dass Sie um die richtige Einsatzhöhe spielen (damit Sie eine mögliche Pechsträhne überdauern und sich wieder erholen können).
  • Führen Sie Aufzeichnungen. Das Festhalten Ihrer Ergebnisse wird Ihnen langfristig helfen, einen kurzen Ausreißer als solchen zu erkennen und Ihre Entwicklung aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten.
  • Bewahren Sie Ihren Vorsprung. Sie wissen, wie Sie spielen sollten. Lesen Sie immer wieder Pokerlektüre, behalten Sie einen ruhigen Kopf und vertrauen Sie darauf, dass sich Ihre Methoden bezahlt machen.

Es ist auch hilfreich zu wissen, wie Varianz Sie persönlich betrifft. So erleben Spieler, die streng nach dem Lehrbuch vorgehen, weniger Auf und Abs wie aggressive Bluffer. Und No-Limit Hold’em weist mehr Varianz auf als seine Limit-Versionen und so weiter.

Sie können sogar Ihre eigene Varianz berechnen, wenn Sie möchten (unten finden Sie ein Beispiel, wenn Sie das versuchen möchten). Für viele Spieler ist es beruhigend zu wissen, dass alles nach Plan läuft.

Aber das Wichtigste: Es ist eine Frage der Einstellung. Laut den mathematischen Gesetzen des Universums (die nie falsch liegen), verhält es sich nämlich so: Je mehr Sie spielen, desto näher kommen die Ergebnisse an die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit heran.

Wenn Sie diese längerfristige Betrachtensweise einnehmen, erkennen Sie den positiven Aspekt der Varianz, nämlich dass Sie mit jedem Verlust dem Gewinn einen Schritt näherkommen.

So berechnen Sie Ihre eigene Varianz

Angenommen Sie spielen fünf Sitzungen No-Limit Hold'em und Ihre Gewinne sind:

1 2 3 4 5
10 $
-6 $ 14 $ -12 $ 7 $

Ihr durchschnittlicher Gewinn beträgt 3 $ pro Sitzung (10 - 6 + 14 - 12 + 9) / 5 = 3).

Um die Varianz zu berechnen, notieren Sie, wie weit jede Sitzung von diesem Durchschnittswert abweicht:

1 2 3 4 5
7 9 11 15 4

Nehmen Sie dann diese Werte zum Quadrat, addieren Sie sie und dividieren Sie sie durch die Anzahl der Sitzungen (fünf). Aus diesem Ergebnis ziehen Sie dann die Quadratwurzel. In unserem Beispiel ergibt das 9,9 $.

Obwohl Ihr durchschnittlicher Gewinn 3 $ pro Sitzung beträgt, wäre ein realistisches Ergebnis 9,9 $ zu beiden Seiten dieses Werts.